02.11.2017

Von der Geißel drohender Kriege befreien ...

Die Toten von Stalingrad finden keine Ruhe. Die Erde ist immer noch übersät von sterblichen Überresten ums Leben gekommener Soldaten. Erst kürzlich wurde bei Bauarbeiten wieder ein Massengrab mit über Tausend von ihnen gefunden. Vielleicht ist es so, denke ich, dass die Toten von Stalingrad erst dann Ruhe finden, wenn die Lebenden sich von der Geißel drohender Kriege befreit haben.

Bereits im Jahr 1944 schlossen Stalingrad und das vom Luftkrieg der Nazis so schwer verwundete Coventry die erste Städtepartnerschaft und begründeten so eine weltweite Bewegung für grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Frieden. In Russland ist das heutige Wolgograd  offizielles Zentrum für Volksdiplomatie. Angesiedelt ist es an der Universität von Wolgograd und in die Politik eingeführt von Wolgograds Oberbürgermeister Andrej Kosolapow, den wir im vorigen Jahr in der LINKEn Bundestagsfraktion zu Gast hatten.

Der Wunsch nach einem dauerhaften Frieden in der Welt, nach guter Nachbarschaft Deutschlands und Russlands ist auch Inhalt der gemeinsamen Abschlusserklärung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Konferenz "Dialog an der Wolga". Die fand in diesem Jahr zum vierten Mal statt und versteht sich mit ihren 200 Teilnehmenden als Teil von Volksdiplomatie, welche wiederum auf eine Idee des zweiten sowjetischen Außenministers, Litwinow, zurückgeht. Mitten in der Krise des Völkerbundes hatte er vorgeschlagen, dass die Tätigkeit von Diplomaten durch Initiativen der Völker friedensfähig gemacht werden solle. Ein weiter Weg von der Oktoberrevolution zur Volksdiplomatie an der Wolga.

Am 2. Februar 2018 jährt sich zum 75. mal der Sieg der Roten Armee in der Schlacht von Stalingrad, die zur entscheidenden Wende im Vernichtungskrieg der Nazis wurde. Anlass genug, die Bundesregierung erneut zu mahnen: Macht uns Russland nicht zum Feind! Und die Menschen in Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion um Vergebung und Freundschaft zu bitten, nicht zuletzt, damit die Toten in Stalingrad ihre Ruhe finden.