"Und bauet der Freiheit Haus"

01.11.2013

Vor 200 Jahren wurde Georg Büchner im hessischen Goddelau geboren. Für die Partei DIE LINKE Grund genug, das Denken und Wirken des Schriftstellers und Revolutionärs auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main zu würdigen.

"Friede den Hütten! Krieg den Palästen!"

Überall begegne man im Georg-Büchner-Gedenkjahr der bekannten Losung aus dem Hessischen Landboten, stellte die Autorin Christiane Reymann eingangs vor rund 80 Teilnehmer/innen fest. Rund um unseren Globus würden sich hundertausende zumeist junge Menschen dem Terror des Finanzmarktkapitalismus widersetzen und die Losung Büchners weiter tragen.

Der hessische Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke verwies in einem Zwischenruf auf die Gemeinsamkeiten Georg Büchners mit Karl Marx. Beide prägte die Auseinandersetzung mit der Religion, wie Marx sie in seinen Frühschriften entfaltet. Für Beide gelte der Marx‘sche kategorische Imperativ, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Zur Aktualität Büchners fügte Wolfgang Gehrcke hinzu, heute würden wenige Superreiche einen Krieg gegen die Armen, einen Krieg der großen Bankpaläste gegen die Hütten dieser Welt führen. Der entfesselte Kapitalismus habe die soziale Frage mit neuer Brachialgewalt aufgeworfen – und mit fatalen Folgen.

Eindrucksvoll gab Schauspieler und Rezitator Erich Schaffner dem Werk von Georg Büchner Gesicht und Stimme. „Das Verhältnis zwischen Armen und Reichen ist das einzige revolutionäre Element in der Welt“ zitierte Schaffner aus einem Brief Büchners. Schaffner stellte nicht nur zahlreiche Szenen aus Büchners Werken wie Dantons Tod, Leonce und Lena und Woyzeck dar, sondern veranschaulichte die gesellschaftlichen Zustände mit den Worten zahlreicher Zeitgenossen wie etwa Schiller, Goethe und Heine. Die Anwesenden zeigten sich von Schaffners mehrfachen Darbietungen begeistert.

Der Politikwissenschaftler Dr. David Salomon (Universität Siegen) erläuterte, wie sich die gesellschaftlichen Konflikte und Probleme Anfang des 19. Jahrhunderts im künstlerischen Schaffen Büchners wiederspiegeln. Georg Büchners Werk entstand in einer Epoche des Übergangs von der bürgerlichen zur sozialen Revolution. Als Analytiker ihrer Konflikte verbindet er in seinen Schriften Revolutionsverarbeitung und Revolutionshoffnungen. Der Lesart, nach der Büchner ein Fatalist gewesen sei, erteilte David Salomon eine klare Absage und analysierte Georg Büchner als Revolutionär in Wort und Tat. Die Klarheit und Schärfe Georg Büchners seien ein Maßstab für alle, die den Blick auf die Vergangenheit mit dem Kampf um das heute verbinden, unterstrich David Salomon unter großen Beifall die Bedeutung Büchners für heutige Auseinandersetzungen.

Ein Stachel zum Aufstand, ein Anstoß zum Aufruhr will die Broschüre Hessischer Landbote 2013 sein, die von Edgar Weick stellvertretend für eine Autor/innengruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet vorgestellt wurde. Die Broschüre bildet den Versuch, mit den Augen Büchners auf die heutigen Verhältnisse zu schauen und Georg Büchner als gesellschaftsverändernden Revolutionär ernst zu nehmen. Gründe, sich gegen die heutigen Zustände aufzulehnen, gibt es genug. Dazu wollten die Autor/innen anstiften, wie Edgar Weick erläuterte.

DIE LINKE müsse eine kulturvolle Partei sein, die sich auf vielfältige Weise ihrer Traditionen bewusst mache, hatte Wolfgang Gehrcke zu Beginn die Intention der Veranstaltung beschrieben. Der Verlauf des Abends und die zahlreichen positiven Rückmeldungen machten deutlich, wie lohnenswert es für die politische Linke ist, sich politisch und kulturell mit dem Wirken Georg Büchners zu beschäftigen. Zum Abschluss entließ Erich Schaffner die Anwesenden mit dem bewegenden und aufrüttelnden Auftrag aus dem Schlussteil des Landboten:

Ihr wühltet ein langes Leben die Erde auf, dann wühlt ihr euren Tyrannen ein Grab. Ihr bautet die Zwingburgen, dann stürzt ihr sie, und bauet der Freiheit Haus.

(Text: Jan Schalauske)

Literaturhinweise zu Georg Büchner:
Georg Büchner: Der Hessische Landbote, Dantons Tod, Woyzeck
Autor/innengruppe: Der Hessische Landbote 2013, Peter-Grohmann-Verlag.
Brigitte Forßbohm: Georg Büchner und sein politisches Umfeld in Hessen, Edition 6065.