Fidel Castro zum 90. Geburtstag: Er symbolisiert, dass die Kleinen gegen die Großen gewinnen können

Wolfgang Gehrcke im Gespräch mit Jürgen Zurheide im Deutschlandfunk am 13.08.2016
13.08.2016

Der ehemalige kubanische Staatspräsident Fidel Castro gehört für Wolfgang Gehrcke zu den faszinierendsten Persönlichkeiten, die noch leben. "Er ist ein Kerl wie ein Baum", sagte der Linken-Politiker im DLF. Politisch habe Castro dazu beigetragen, dass Kuba heute nicht mehr "das Bordell der USA" sei.

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Er habe Fidel Castro als nachdenklichen, freundlichen, ironischen Menschen kennengelernt, sagte Gehrcke im Deutschlandfunk. Zudem verfüge er über sehr viel Witz und Durchsetzungsvermögen. Fidel Castro sei damit biblisch alt geworden: Er habe alle US-Präsidenten seiner Lebenszeit überlebt - auch physisch, denn auf ihn seien viele Anschläge verübt worden. Dank Castro sei Kuba heute nicht mehr die Absteige für Mafiabosse aus den USA. Zudem habe er für soziale Gerechtigkeit gesorgt. In seinem hohen Alter spielten nun die ökologische Sichtweise und das Überleben der Menschheit eine größere Rolle für den kubanischen Revolutionär.

"Es werden nicht mehr alle gleich sein"

Doch wer Fidel Castro nur glorifiziert, wird ihm aus Sicht des Linken-Politikers nicht gerecht: "Wer so viel leistet, ist natürlich auch eitel." Zudem habe Castro erst spät eine jüngere Generation in Kuba eingesetzt. Und die kubanische Führung - auch unter Castros Bruder Raúl - habe es bisher nicht zustande gebracht, dass in Lateinamerika eine starke Kombination linker Politiker zusammenkommt. Zwar betreibe Kuba nun eine dringend notwendige Politik, die Mittelschichten bildet. Das bringt aus Gehrckes Sicht aber soziale Spaltungen mit sich. "Es werden nicht mehr alle gleich sein."

Der Linken-Politiker hält noch ein weiteres Problem in Kuba für möglich: Die USA habe durch ihren Boykott und ihren Druck jahrzehntelang die kubanische Gesellschaft ungewollt zusammengehalten. "Keiner wollte zurück zu den USA und so leben wie früher." Wenn das aufgrund der Annäherung der beiden Länder nun verschwinden sollte, "wird Kuba sich beweisen müssen", so Gehrcke.

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