Solidaritätserklärung zum Warnstreik bei der Frankfurter Rundschau

07.04.2011
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Lieber Marcel Bathis,
liebe Kolleginnen und Kollegen der Frankfurter Rundschau,

mit Ihrem Arbeitskampf für den Erhalt Ihrer Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen bin ich solidarisch und werde mich nach Kräften bemühen, Ihr Anliegen auch im Bundestag öffentlich zu machen. Dafür habe ich im wesentlichen vier Gründe:

Die Absicht der Geschäftsführung, die Mantelseiten der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau einheitlich zu produzieren, ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, weil dadurch die Vielfalt der Medien weiter eingeschränkt wird, die durch die Medienkonzentration der vergangenen Jahre ohnehin schon strak abgenommen hat.


Die geplanten Kündigungen und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen sind ein Angriff auf die sozialen Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dem ich mich als Gewerkschaftsmitglied widersetze. Mit dem Angebot, dass sich die 116 gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 72 „neue“ Arbeitsplätze bewerben könnten, betreibt die Geschäftsleitung die Spaltung der Belegschaft. Auch dass die so genannten „neuen“ Arbeitsplätze ohne Tarifbindung sein sollen, widerspricht grundsätzlich dem Anspruch der Frankfurter Rundschau, eine links-liberale Zeitung zu sein. Tarifflucht verschärft die Entrechtung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Wer hätte geglaubt, dass die Frankfurter Rundschau dem Beispiel von Schlecker folgen wird?

Die Verlagerung der Redaktion nach Berlin beendet die langjährige Bindung der Frankfurter Rundschau an die Stadt Frankfurt am Main und an das Bundesland Hessen, die ja schon in ihrem Namen zum Ausdruck kommt.

Mit der faktischen Zerschlagung der Frankfurter Rundschau wird eine Tradition beendet, die nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Nazi-Herrschaft ihre Wurzeln in der Geschichte des Antifaschismus hat.

Mit solidarischen Grüßen
Wolfgang Gehrcke