Chronik der Ereignisse 1970-74 in Chile

11.09.2013

Am 11. September 1973 putschte das Militär mit Unterstützung der USA gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Chiles Salvador Allende. Es folgte eine blutige Militärdiktatur unter Augusto Pinochet, die nicht nur massive Repressionen gegen die politische Linke mit sich brachte, sondern auch eine neoliberale Wende in der Wirtschafts- und Sozialpolitik einleitete. Chronik der Ereignisse:

  • 04.09.1970: Salvador Allende, Kandidat der von Kommunisten, Sozialisten und kleineren Linksparteien gebildeten Unidad Popular (UP), gewinnt die chilenischen Präsidentschaftswahlen mit 36,3 Prozent. Mit seiner Präsidentschaft verbindet sich der bisher größte Versuch, auf der Grundlage einer bürgerlich-demokratischen Verfassung den Weg zum Sozialismus zu gehen. Die soziale Lage in Chile war bei Amtsantritt Allendes katastrophal: 1,5 Millionen Kinder waren unterernährt, Hunderttausende Familien obdachlos.
  • 11.07.1971: Das chilenische Parlament beschließt die Verstaatlichung der Bodenschätze.
  • 01.12.1971: Frauen aus begüterten Familien protestieren, Topfdeckel schlagend, gegen die linksgerichtete Regierung.
  • April 1972: Die Aufteilung des Großgrundbesitzes ist beendet.
  • 04.12.1972: Allende beklagt vor der UN-Vollversammlung in New York eine "unsichtbare Blockade", initiiert durch die USA, zur wirtschaftlichen und politischen Isolierung Chiles.
  • 04.03.1973: Die Unidad Popular erreicht bei der Parlamentswahl die Mehrheit mit knapp 44%.
  • Mai 1973: Streik der Arbeiter in der zweigrößten Kupfermine Chiles, El Teniente.
  • 29.06.1973: Das 2. Panzerregiment von Santiago unternimmt einen ersten Putschversuch ("Tanquetazo"), belagert stundenlang den Regierungspalast La Moneda.
  • Juli 1973: Landesweiter Streik der Fuhrunternehmer und Spediteure.
  • 26.07.1973: Die rechtesextreme Gruppierung Patria y Libertad verübt ein tödliches Attentat auf einen Offizier. Die Opposition behauptet, Allendes Leibwächter wären zusammen mit kubanischen Agenten dafür verantwortlich.
  • 09.08.1973: Allende beruft die Oberkommandeure der Streitkräfte in sein Kabinett, um eine Einigung auf demokratischem Weg zu erreichen.
  • 22.08.1973: Der Kongress spricht Allende symbolisch das Misstrauen aus und fordert die Militärs in der Regierung zum Rücktritt auf.
  • 23.08.1973: Der Oberbefehlshaber der Armee, General Carlos Prats, tritt zurück und wird durch General Augusto Pinochet ersetzt.
  • 04.09.1973: Am dritten Jahrestag des Wahlsiegs finden Massendemonstrationen in Santiago und anderen chilenischen Städten zur Unterstützung Allendes statt. Die Demonstration in Santiago ist mit einer Million Teilnehmern die größte Veranstaltung, die je in Chile stattgefunden hat.
  • 07.09.1973: Allende gibt bekannt, dass er sich am 11. September 1973 mit einer Rede an das Volk wenden wird.
  • 10.09.1973: Allende erklärt, eine Volksabstimmung über seinen Verbleib im Amt des Präsidenten anzusetzen. Zur Veröffentlichung der Erklärung kommt es nicht mehr.
  • 11.09.1973: Die Militärs unter Pinochet putschen gegen die Allende-Regierung. Allende wird um 6 Uhr morgens mit der Nachricht geweckt, dass Marineverbände die Hafenstadt Valparaiso besetzt hätten. Gegen 7 Uhr lässt sich Allende in den Präsidentenpalast fahren, wo sich seine engsten Vertrauten sowie seine beiden Töchter versammeln. Um 8 Uhr fordert das Militär Allendes Rücktritt im Radio, dieser lehnt ab. Der Präsidentenpalast wird von Kampftruppen und Panzern umzingelt; ab 10 Uhr wird der Palast beschossen, ab 12h aus der Luft bombardiert. Ab 14h stürmt das Militär den Präsidentenpalast, Allende wird erschossen aufgefunden. Noch am selben Tag werden mehrere Tausend Menschen verhaftet -Mitglieder und Sympathisanten von Regierung, linken Parteien und Gewerkschaften.
  • 17.09.1974: US-Präsident Gerald Ford bestätigt die finanzielle Unterstützung der rechten Opposition gegen Chiles durch die CIA in den Jahren 1970 bis 1974.