20.09.2012

wonderland - Wunderland

Mehr als zwei Jahre haben jüdische und arabische Künstlerinnen und Künstler aus Israel und Palästina an der Ausstellung WONDERLAND gearbeitet. Shirley Meshulam, die Kuratorin der Ausstellung, und Yossi Ben-Bassat als Produzent haben die 43 avantgardistischen Künstlerinnen und Künstler zusammengebracht, avantgardistisch in ihrer Kunst und avantgardistisch in ihrem Engagement für Frieden im Nahen Osten und Gleichberechtigung von Jüdinnen, Juden, Palästinenserinnen und Palästinensern. Die Mauer, die der israelische Staat errichtet, um Israel von Palästina zu trennen, ist in den Köpfen dieser engagierten Künstlerinnen und Künstler eingerissen und überwunden: Wunderland.

Ich bin glücklich und, ja – auch ein wenig stolz darauf, in Haifa bei der Eröffnung dieser Ausstellung dabei gewesen zu sein. Mit Angelika Timm und Wilfried Telkämper von der Rosa Luxemburg Stiftung habe ich dieses Projekt gewürdigt. Und ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit der Rosa Luxemburg Stiftung diese großartige Ausstellung nach Deutschland zu bringen. Im Februar wollen wir sie im Bundestag und danach in weiteren deutschen Städten zeigen. Mit einer Präsentation im Europäischen Parlament in Brüssel und zum Schluss bei der Rosa Luxemburg Stiftung in Ramallah soll sich der Kreis soll schließen.

Die Ausstellung legt Zeugnis ab, Zeugnis über das, was ist – über den Alltag der Menschen, über die bleierne Schwere der Politik und ihre Menschen verachtenden Auswirkungen.

Die Sprache der Kunst ist eine andere als die der Politik. Wo die politische Sprache abgeschliffen, manierlich, scheinbar objektivierend ist, ist die Sprache der Kunst oft deutlich, provozierend, herausfordernd. Mich erschüttert das Bild des israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres mit der weißen Taube auf der Schulter, deren gebrochener Flügel nicht zu übersehen ist: Der gebrochene Frieden auf den Schultern der politischen Macht.

Das Bild einer arabischen Frau, auf einem übergroßen Stuhl sitzend, mit einem unendlich langen Zopf lässt mich nicht schlafen. Ähnlich eindringlich hat Frida Kahlo, die mexikanische Malerin und Kommunistin, ihre Bilder gestaltet. Auch Leid verbindet – mit dieser neuerlichen Erkenntnis habe ich die Ausstellung verlassen.

Ich freue mich, dass gerade diese Ausstellung ausgerechnet in Haifa, dieser multinationalen Stadt, dieser Stadt der Künste, starten konnte. Dafür danke ich dem Bürgermeister von Haifa, Herrn Yona Yahav, ich danke Shirley und Yossi für ihre selbstlose Arbeit, der Rosa Luxemburg Stiftung für die tatkräftige Unterstützung und ganz besonders danke ich allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern. Wenn ihre Sprache verstanden wird, werden Krieg und Gewalt geächtet sein, wird nicht mehr entscheidend sein, welcher Ethnie man angehört oder welche Religion man ausübt. Dann kann gemeinsam etwas wirklich Neues entstehen. Nicht der Staat Utopia, sondern

wonderland.

Dorthin will ich euch einladen.

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