10.01.2012

Queer Beet durchs politische Establishment

von der Nahostreise 2012 (6)

Natürlich stehen im Zentrum einer solchen Reise auch und besonders die notwendigen Debatten mit den „politisch Verantwortlichen“. Das haben wir ausgiebig gemacht – in Israel und in Palästina. Die Ergebnisse müssen gründlich analysiert werden. Es ist notwendig, sich selbst klar zu werden, was die nächsten politischen Schritte sein können. Und zwar innerhalb wie außerhalb der Parlamente.

Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt nicht die israelische Meinung und es gibt nicht die palästinensische Meinung, sondern es gibt viele Debatten – wie auch in Deutschland. Einiges ist zu verallgemeinern: so richtig glaubt keiner unserer Gesprächspartner an den Erfolg von Verhandlungen und Gesprächen zwischen Israelis und Palästinensern. Unter diesem Vorbehalt blitzen aber auch Ideen auf, die es wert sind, gründlicher durchleuchtet zu werden. Ein palästinensischer Gesprächspartner sagte uns: „Als die Gespräche angefangen haben, war ich zwanzig. Nunmehr nähere ich mich bald dem Rentenalter.“ Die Ironie ist unverkennbar und zum Rentenalter hat es offensichtlich noch Zeit, doch graue Haare hat der palästinensische Kollege inzwischen bekommen. Und die Ergebnisse? Kaum was ist besser geworden. Von einem palästinensischen Staat ist man nach wie vor weit entfernt und die gerade wieder begonnen, abermaligen Kontakte sind keine Verhandlungen, sondern Gespräche. Doch genaues Hinsehen lohnt sich. Ich habe mir vorgenommen, einen Teil des heutigen Abends dazu zu benutzen, eine detaillierter Analyse anzufangen, auf die will ich alle für den morgigen Tag gespannt machen.

Ein bisschen schon mal vorab: Unsere Delegation hatte ein Gespräch mit dem stellvertretenden israelischen Außenminister Danny Ayalon, einem der bekannten Rechtsausleger aus dem Liebermann-Spektrum. Zum Schluss beschwerte er sich, das Linke aus Deutschland zu häufig mit Linken aus Israel reden und einen Bogen um die Regierung machen würden. Meine Erfahrungen sind zwar andere, ich bin oft genug von der israelischen Regierung ausgeladen worden, aber der Ton war neu. Nicht, dass ich glaube, man könne Politiker wie Ayalon von einer vernünftigen Zwei-Staaten-Lösung überzugen. Aber wenn DIE LINKE ernst genommen wird, und das wird sie, kann das vielleicht nicht schaden. Nur – man darf sich selber natürlich nichts einreden und nicht die Welt schön malen, wo sie eben nicht schön ist.