09.05.2015

Dank den Befreiern

Heute, am "Tag des Sieges", folgte ich der Einladung des Botschafters der Russischen Föderation, Wladimir Grinin, zur Teilnahme an der Kranzniederlegung am Ehrenmal im Treptower Park. Mein Dank, mein Respekt gilt den Menschen, die unter unsäglichen Opfern Deutschland und Europa vom Faschismus befreiten. Das ist mir ein Bedürfnis, ganz besonders nach der gestrigen "Gedenkstunde" im Deutschen Bundestag, die mich sehr enttäuscht, ja zornig gemacht hat. Aus dem Tag der Befreiung wurde, ganz den Interessen der "Eliten" folgend, die Würdigung des "langen Weges gen Westen" und passend in die Zeit, aus der Verantwortung für den Frieden die "Schutzverantwortung". Die Lehre aus diesem verbrecherischen Krieg soll nicht mehr heißen "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus". Statt dessen auch an diesem Tag die Beschwörung, dass "unsere Geschichte kein Argument sein dürfe, heute abseits zu stehen ..."

Ich hatte gehofft auf zusätzliche Aufklärung, erhalten hat der Bundestag und hat die deutsche Öffentlichkeit einen falschen historischen Zusammenhang und Schlussfolgerungen, die besser in den Kalten Krieg als zu diesem Tag gepasst hätten, auch wenn einzelne Passagen der Rede vernünftig, akzeptabel klingen. Die Richtung insgesamt stimmte aber nicht.

„Tag der Befreiung“ war die Botschaft des Bundespräsidenten von Weizsäcker 1985. Die Frage, die ich mir und anderen im Vorfeld des 70. Jahrestages der Befreiung Europas vom Hitlerfaschismus gestellt hatte, was wird die Botschaft der Bundesregierung und des Bundestags 2015 sein, ist nun beantwortet. Doch die Würdigung eines „langen Weges gen Westen“ ist zu wenig und aus meiner Sicht ungeeignet, die Probleme unserer Zeit zu lösen.