Gemeinsame Verantwortung

12.01.2017

Nicaragua geht in Richtung sozialer und demokratischer Veränderungen. Der Bürgerkrieg (1981 bis 1990) hat tiefe Spuren hinterlassen, die heute noch spürbar sind. Auch in fast jeder Familie trafen Contras und Sandinistas aufeinander. Ortega sprach bei seiner Amtseinführung darüber, warum es richtig war, nachdem die Sandinisten abgewählt worden waren, die Macht abzugeben und sich neues Vertrauen zu erwerben. Nicaragua hat sich entschieden, einen friedlichen Weg zur Veränderung der Gesellschaft zu gehen. Friedlicher Weg, das heißt auch soziale Gerechtigkeit, Kampf gegen die verfluchte Armut, ökologische Verantwortung. All das fällt nicht vom Himmel. Aber, wenn ich schon beim Himmel bin – Nicaragua ist ein tief religiöses Land. Das muss man in Rechnung stellen, weil auch in diesen Fragen keine großen Sprünge zu erwarten sind. Darüber sprach ich am Abend mit Bernhard Hombach, dem emeritierten Bischof von Granada, dieser alten kolonialen Stadt in Nicaragua. Zu meiner Überraschung, vielleicht sogar Freude, war seine Botschaft eindeutig: Trennung von Staat und Kirche. Kirche in sozialer Verantwortung, an dem Punkt orientiert er sich an seinem Oberhaupt, Papst Franziskus, und auch an der zumindest gedanklich vorhandenen Bewegung Kirche von unten – Kirche für den Sozialismus.

Das Treffen mit dem Bischof war Teil eines Einladungsprogramms der deutschen Botschafterin in Managua – mit deutschen Unternehmern vor Ort und mit Vertretern der Kirche. Die Gesprächspartner waren überzeugt davon, dass Unternehmer aus Deutschland sich wirtschaftlich in Nicaragua engagieren sollten und dass zu einem solchen Engagement auch immer soziale Verantwortung gehört. Das war für mich schon eine tolle Erfahrung: Unternehmer, weit weg von dem, was ansonsten oftmals alltäglich ist, die sich für ein Land wie Nicaragua engagieren und es für vernünftig halten, dass Profite nicht ausgeführt werden, sondern der Entwicklung im Land zugutekommen sollen. Rund um den Tisch ein Dialog über die gemeinsame Verantwortung von Christen und Kommunisten für soziale Gerechtigkeit und den Frieden – ein spannender Abend.

Reisetagebuch 3 - Nicaragua